Frauenbilder - Ausstellung
Frauenkörper - Erdkörper
Herzlich Willkommen bei Frauenkörper – Erdkörper
Die Bilder der Ausstellung setzen ein Gegengewicht zur Vermarktung von Frauenkörpern, zur Anpassung der Frau an gängige Schönheitsnormen und die oft damit verbundene Ablehnung des Eigenen. Es sind Kraftmomente eingefangen, die etwas ausdrücken, das jenseits von Worten ist - ein Einverstandensein mit dem eigenen Körper, unabhängig von gefallen wollen. Diese Aussöhnung, oder sollte es genauer heißen der Austöchterung, auf der Körperebene, wirkt befreiend auf das ganze Sein.
Frauen und Schönheit - diese beiden Worte sind beinahe Synonyme. Dabei ist Schönheit ein abstrakter Begriff, der stark mit allen Aspekten menschlichen Daseins verbunden ist. Die Schönheitsideale von Kulturen und Epochen unterliegen einem stetigen Wandel und sind durch gesellschaftliche Konventionen geprägt, z. B. gelten heute in der Zeit des Nahrungsüberflusses schlanke Menschen als schön, während unter anderen Umständen beleibte Menschen, die durch ihre Körperfülle Wohlstand signalisierten, als schön bezeichnet wurden.
In vielen Märchen beginnt der Heldenweg der Frau mit: In alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren so schön... oder Es lebte einst ein Kaufmann, der hatte drei Töchter. Davon waren die beiden älteren stolz und hoffärtig, die jüngere aber, wenngleich sie ihre beiden Schwestern an Schönheit übertraf, war sittsam und bescheiden... oder Es war einmal ein armes Bäuerlein, das hatte drei Töchter und die jüngste davon war so brav und fleißig und schön, dass jedermann sich darüber freute...
Schönheit ist das wichtigste und oft einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen den Schwestern und im Märchen, häufig die Ursache für das spätere Wohlergehen, also Reichtum und Ehemann. Dazu gesellen sich typisch weibliche Tugenden wie Fleiß, Demut, Bescheidenheit...
Was haben die Frauengestalten der Märchen mit der emanzipierten Frau von heute zu tun, fragen Sie sich jetzt sicher. Schönheit ist heute nicht mehr Voraussetzung dafür, unter die Haube zu kommen (wer will das denn auch noch?), doch immer noch wichtigstes Attribut von Frauen, um Anerkennung in ihrem Umfeld zu finden und begehrenswert zu sein. Die Mode- und Kosmetikbranche, auch die Schönheitschirurgie florieren. Jung sein und bleiben, schön sein, versprechen Glück und Erfolg. Männer schmücken sich auch heute noch gerne mit schönen Frauen und stärken so ihren Selbstwert. (
Bei der Schönheit geht es also um unsere Wirkung im außen. Die Vor-bilder aus der Kosmetik und Modeindustrie sind unerreichbar für die normale Durchschnittsfrau, und außerdem meistens retuschiert, also nicht real. Was die Barbiepuppe in meiner Generation als Frauenbild vorgab, einfach unerreichbar. Heute rückt die Schönheitschirurgie den Körpern mit dem Messer zu Leibe und in annähernde Reichweite dieser unrealistischen Vorgaben. Eine Klinik in Berlin trägt den klangvolle Namen „Sanssouci“ – ohne Sorge. Die Kliniken werben mit Slogans wie: Der zeitgemäße Weg zu besserem Aussehen... Wir sorgen dafür, dass Schönheit nicht nur ein schöner Traum bleibt... Ein schönes Lächeln ist unbezahlbar... ...die Suche nach dem makellosen Körper... Aha, Makellosigkeit und Perfektion versprechen Glück und Zufriedenheit.
In 20 Jahren als Portraitfotografin habe ich unendlich viele Bilder in meinem kleinen Studio im Keller gemacht. Viele Menschen, vor allem Frauen kommen mit dem Satz: Ich finde mich auf Fotos immer hässlich! Und wünschen sich doch insgeheim, so gesehen und abgelichtet zu werden, dass sie sich selbst schön finden können.
Daneben begleite ich seit 10 Jahren Menschen bei einem Initiationsritual in der Natur und beobachte dabei die Veränderungen, die dieser Aufenthalt in der Natur in den Gesichtern und Körpern von Menschen bewirkt. Was ich da wahrnehme, deckt sich nicht mit dem gängigen Vorstellungen von Schönheit, drückt sich weder in Kleidung, noch in sonstigem „Make up“ aus, sondern vielmehr in einem Strahlen, einem ganz bei sich sein, mit sich in Frieden sein. Das hat mich dazu inspiriert, meine fotografische Arbeit immer mehr in die Natur zu verlegen, hat mich auf die Spur gebracht, Frauen ein Bild von sich zu geben, das mehr enthält als ein Hochglanzfoto.
Ob im Rahmen eines Seminares oder in einer Einzelsitzung, ermutige und unterstütze ich Frauen, sich mit ihrem Körper, mit all seinen Eigenheiten zu akzeptieren und die darin wohnende Lebensfreude neu zu entdecken, um sich an ihre Kraftquellen anzuschließen. Ich leite an, vom scheinbar objektiven Beobachten das Erlebnis des Fühlens in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen, keine Masken zu zeigen, die betonen oder kaschieren. Deshalb fotografiere ich Frauen am liebsten, nackt, keiner Kleiderordnung unterworfen, hüllenlos, maskenlos, unverstellt, natürlich, verletzlich und stark.
Dabei begleite ich mit der Kamera und sehe mich als Zeugin eines Prozesses. Den Raum öffne ich durch die Wahl eines geschützten Platzes oder die Frau lädt mich an ihren Lieblingsplatz ein. Dort setze ich Impulse, ermuntere zu Spiel, Kreativität und Intuition, nicht ergebnisorientiert, ohne Vorgaben, ohne Vorstellungen, bin gespannt, was sich zeigt im Zusammenspiel von Erdkörper und Frauenkörper. Dazu ist es notwendig, ganz im Moment zu sein – so verstehe ich Sinnlichkeit.
Was mich bestärkt, diesen Weg zu gehen sind die Reaktionen der Frauen. Sie sind stolz auf sich, lernen sich mit anderen Augen zu sehen. Sie entwickeln kreative Ideen, mit den Bildern weiter zu arbeiten, kommen ihrem Potential auf die Spur, gehen in den Austausch mit anderen Frauen, ohne Rivalität.
Eine Auswahl der so entstandenen Bilder finden sie hier. Bei diesen Bilder ging es den Frauen und mir nicht um Perfektion, sondern um Natürlichkeit, um die verschieden Ausdrucksformen die jeder Frau eigen sind, wenn sie aufhört, sich zu bewerten und/oder sich bewertet zu fühlen. Dann nämlich entdeckt sie neben ihrer ganz persönlichen Schönheit auch die ihr eigene Kraft. Diese Kraft kann viele Namen haben.
Viel Freude beim Schauen.
Mein Dank geht an die Frauen, die sich trauen, sich in meine Ausstellungen so nackt und verletzlich, so schön und kraftvoll zu zeigen.
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