Jugendvisionssuche - Ritual
Ein Übergangsritual für junge Menschen von 16 bis 22 Jahre
Bei unseren Vorfahren war es noch üblich, die jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste zu schicken. In uralten Geschichten, unseren Märchen wird erzählt, wie der Held, die Heldin die Sicherheit der Heimat verlassen und allein in den dunklen Wald gehen müssen. Dort begegnen sie gefährlichen Kräften - Hexen und Riesen - die ihnen schwierige Aufgaben stellen. Diese sind zu erfüllen,ansonsten droht ihnen der Tod. Haben sie die Aufgaben glücklich gelöst, kehren sie erlöst, gewandelt, wie neugeboren zurück.
Macht so ein Ritual in unserer heutigen Zeit noch Sinn? Ein Überangebot an Konsumgütern, Unterhaltung und Möglichkeiten der Lebensgestaltung erzeugen wachsende Orientierungslosigkeit, ein Gefühl wie im Wald zu stehen, vor allem bei jungen Menschen. Die wichtigen Fragen der Adoleszenz aber bleiben unbeantwortet: Wer bin ich? Wozu lebe ich? Wo gehöre ich hin?
Steven Forster, arbeitete 30 Jahre lang daran, die alten Riten des Übergangs für die modernen Menschen „wieder zu entdecken”. Er sagte:„ Es gibt Zeiten in deinem Leben, in denen es nötig ist, alles hinter dir zu lassen, Zeit, hinauszugehen und mit Gott allein zu sein. Und an diesem einsamen Platz ist der Held, die Heldin, der Pilger, die Suchende allein mit der Natur, auf Innenschau und erhält wie ein Geschenk Antworten, Klarheit, eine Vision, die er oder sie mit zurück nimmt, damit das Leben weiter geht.”
Malidoma Somé, ein afrikanischer Schamane, der nach europäischer Tradition erzogen wurde, nennt diesen Vorgang „den Weg in den Tod”. Der junge Mensch muss „sterben“ und kommt als erwachsener Mann oder erwachsene Frau zurück, wird von der Gemeinschaft willkommen geheißen und nimmt seinen neuen Platz ein.
Der Arzt und Therapeut Rüdiger Dahlke glaubt sogar, dass die Jugendlichen sich Ersatzrituale suchen, wenn wir ihnen keine anbieten.
Visionssuche ist kein Rückfall in die Welt unserer Vorfahren. So wie der Baum seine Wurzeln braucht, um in den Himmel zu wachsen, so brauchen wir Rituale, um in unser Leben zu wachsen.
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