Kraftquelle Natur - walkAway
Ein Ritual für SchülerInnen von 14 bis 17 Jahren am Ende der Schulzeit
Übergangsrituale waren in allen Kulturen überall auf der Welt bekannt und verbreitet. Die wesentlichen Elemente dieses Rituals sind Alleinsein und Fasten in der Natur. In dieser, für uns moderne Menschen ungewohnten Situation zeigt sich dem Jugendlichen, ob und wie er Verantwortung für seine Handlungen übernehmen kann. Er erhält unmittelbare Einsichten in die Wirkmechanismen des Lebens, er lernt sein Handeln als ursächlich kennen und bekommt die Antworten darauf.
„Leben heißt Probleme lösen”, sagt Karl Popper, ein großer Philosoph unserer Zeit. Um Probleme zu lösen, muss „man” Verantwortung übernehmen.
Die Jugendlichen gelten heute mit 18 Jahren zwar als erwachsen, sind aber noch lange nicht selbständig. Durch Schul- und Ausbildungssysteme beginnt die finanzielle Unabhängigkeit für viele erst ab Mitte 20. Wir können unsere Jugendlichen unterstützen, Schritt für Schritt erwachsen zu werden, indem wir sie auffordern, die wichtigsten Fragen der Adoleszenz zu stellen: Wer bin ich? Wozu lebe ich? Wo gehöre ich hin?
Der Schritt aus der Schule auf einen Berufsweg ist eine einschneidende Veränderung, ein Übergang. Durch ein Ritual gewürdigt, bekommt der junge Mensch Mut für den Sprung in eine unbekannte Zukunft, Vertrauen in seine innere Instanz und Kraft, seinen eigenen Weg zu gehen.
Vorbereitung für die SchülerInnen: Am Schuljahresanfang stelle ich mich und den walkAway den SchülerInnen in der Klasse vor. Dabei können die Jugendlichen alle Fragen und Befürchtungen äußern und bekommen Antwort.
Sie schreiben eine Absichtserklärung zu den Fragen: Was sind meine Stärken und Schwächen? Wie kann ich meine Fähigkeiten in meinem nächsten Lebensabschnitt einsetzen? Woran habe ich Freude? Was sind meine Herzenswünsche? Was lasse ich hinter mir, wenn ich die Schule verlasse?
Ablauf Der walkAway findet am Schuljahresende nach den Prüfungen statt und dauert 2 ½ Tage.
Am ersten Tag orientieren sich die SchülerInnen in der näheren und weiteren Umgebung, bekommen alle Informationen in Bezug auf das Ritual und für ihre persönliche Sicherheit und finden ihren Kraftplatz im Wald für den nächsten Tag. In dieser Nacht schlafen die Jugendlichen gemeinsam im Tipi.
Am zweiten Morgen geht Jede und Jeder fastend und für sich allein für 24 Stunden in die Natur. Sie haben das Nötige an Ausrüstung dabei, um bei jeder Witterung warm und trocken zu bleiben und ausreichend Wasser, jedoch kein Handy, keine Musikkonserven, kein Buch. Wir LeiterInnen hüten das Feuer, sind während dieser Zeit immer erreichbar und sorgen so für die Sicherheit der Jugendlichen.
Am dritten Morgen kommen die Eltern dazu. Bei einem gemeinsamen Frühstück feiern wir die Rückkehr der jungen Menschen. Anschließend erzählen die Jugendlichen im Kreis der Ältesten (Eltern, Lehrer), was sie in den 24 Stunden erlebt, gefühlt, gedacht haben. Wir spiegeln diese Geschichten, würdigen den Einsatz und eröffnen den Jugendlichen einen neuen, etwas anderen Blick auf sich. Danach haben die Eltern Gelegenheit, die Verdienste und das Wachstum Ihres Kindes zu bestätigen.
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